Einheit Herbeck

Freiwillige Feuerwehr Radevormwald

Chronik

Die Geschichte der freiwilligen Feuerwehr Herbeck begann vor über 130 Jahren. Die Gründer verfolgten die Absicht, die unkontrollierte Ausbreitung des Feuers zu unterbinden. Solange der Mensch das Feuer für seine Zwecke nutzt, kommt es immer wieder vor, dass er die Kontrolle darüber verliert. Im Laufe der Zeit wurden ganze Stadtteile, ja sogar vollständige Städte zum Opfer der Flammen. Auch in unserer Heimatstadt kam es immer wieder zu schrecklichen Bränden. So ist es verständlich, dass bereits "damals" große Anstrengungen unternommen worden sind, um Schadensfeuer zu bekämpfen. Mit Hilfe vieler Freunde und Nachbarn bemühte man sich trotz der geringen Möglichkeiten der damaligen Zeit, den Schaden den Umständen entsprechend gering zu halten.

Heute in der Zeit Motorbetriebener Pumpen, schneller Fahrzeuge und hervorragender Schutzausrüstung, ist es kaum noch vorstellbar, wie die Brandbekämpfung zu Zeiten der Gründung der Herbecker Feuerwehr abgelaufen ist. Die Nachbarn wurden im Notfall mittels Brandhorn alarmiert und bemühten sich am Einsatzort oft verzweifelt, neben dem Hab und Gut vor allen das Leben der Betroffenen zu retten. Zu diesem Zweck wurden so genannte Eimerketten gebildet, mit deren Hilfe man das Wasser aus einem hoffentlich nahe gelegenen Brunnen oder Teich mühevoll zum Einsatzort schaffte. Hierbei wurden auch die damals schon bekannten "Sehleute" mit eingesetzt, indem die "Einsatzleiter" die herumstehenden Schaulustigen kurzerhand in die Eimerketten einreihten. Trotz aller dabei eingesetzten Muskeln und allem vergossenem Schweiß blieben in den meisten Fällen am Ende nur einige rauchende Trümmer übrig.

Viele tatkräftige, aufgeschlossene Männer erkannten zu dieser Zeit, dass nur eine gut organisierte, gezielt eingesetzte Gruppe von Leuten in der Lage ist, ein Schadensfeuer mit Aussicht auf Erfolg zu bekämpfen. So bildeten sich aus den damals schon bestehenden zahlreichen Nachbarschaftshilfen im Bergischen Land die noch heute existierenden Löscheinheiten. Die Männer nannten sich Löschkompanien oder wie in Herbeck Spritzenverein.

Dieses geschah auch in Herbeck. Man erkannte die dringende Notwendigkeit sich zu organisieren. Es gab von Anfang an viele Interessenten, die im Spritzenverein Herbeck Mitglieder werden wollten. Immerhin bestand Herbeck zu dieser Zeit bereits aus 14 Wohnhäusern und 2 Bauerngehöften. Der alteingesessene "Herbecker" Albert Lorens scharte so schließlich im Jahr 1873 eine Reihe junger Männer um sich und rief den "Spritzenverein Herbeck" ins Leben. Er war es auch der seine Scheune als erstes "Gerätehaus" zur Unterbringung aller notwendigen Gerätschaften zur Verfügung gestellt hat.

Begonnen hat der Spritzenverein Herbeck mit nach heutigen Verhältnissen nur bescheidenen Mitteln. Eine vom damaligen Bürgermeister veranlasste Inventur des aus 36 Mann bestehenden Spritzenvereins ergab folgenden Materialbestand:

    -1 Saug- und Druckspritze

    -30m Hanfschlauch

    -Leitern und Feuerhaken

Leider ist nicht mehr bekannt, wer der erste Hauptmann des Spritzenvereins Herbeck war. Doch ist anzunehmen, dass Albert Lorens dieses Amt innehatte. Er war es, der im Mai 1876 von Bürgermeister Klappert die Erlaubnis erteilt bekam, "in Herbeck und umliegenden Gehöften" zur Anschaffung einer neuen "Brandspritze" eine Sammelaktion durchzuführen. Immerhin ergab sich als Ergebnis dieser Aktion die stolze Summe von 742,25 Mark, mit der die neue, noch Muskelbetriebene "Spritze" gekauft werden konnte.

Nach der Errungenschaft der neuen "Brandspritze" ergaben sich Platzprobleme, so dass der Spritzenverein bald aus der Lorens-Scheune ausziehen und sich eine neue Bleibe suchen musste. Das schnell anwachsende Inventar brachte es mit sich, über den Bau eines eigenen Spritzenhauses nachzudenken. So wurde 1877 an der Herbecker Straße aus eigenen Mitteln ein Spritzenhaus errichtet. Nach dem Kauf der Brandspritze und dem Bau des dazugehörenden Spritzenhauses, so geben alte Dokumente Auskunft, ergab sich ein Restkassenbestand von 10,10 Mark.

Nach einigen sehr erfolgreichen Jahren beschloss der Vorstand, bestehend aus den Kameraden August Ülfer, Hermann Sondermann, Wilhelm Dürholt, Julius Bremicker, Houwald Lorens und Heinrich Hager, die Satzung des Vereins schriftlich niederzulegen und dem Verein einen neuen Namen zu geben. Ab dem 11. Dezember 1980 nannten die Kameraden sich "Freiwillige Feuerwehr zu Herbeck".

Die erste Generation Herbecker Feuerwehrleute nahm ihre Pflicht schon sehr ernst. Die Führung der neugebildeten freiwilligen Feuerwehr ging mit großer Strenge vor. So hatte "jedes Mitglied der Feuerwehr dem Hauptmann unbedingt zu gehorchen". Weiterhin musste ein "Fehlen beim Brand innerhalb von 3 Tagen entschuldigt werden". Andernfalls war eine Geldbuße von 1 Mark zu entrichten. "Rauchen und Singen" war nur dann gestattet, wenn "der Hauptmann es erlaubt". Nachdrücklich wurde auf die Teilnahme am Dienst geachtet: "Wer dreimal unentschuldigt hintereinander fehlt, wird ausgeschlossen."

So nahm das Leben in der Wehr seinen Lauf. Die Männer taten das notwendige, wenn sie gerufen wurden. Darüber hinaus feierte man, wenn es was zum feiern gab. Die Kameraden verbrachten auf diese Weise so manchen fröhlichen Abend mit dem ortsansässigen Turn- , Gesangs- und Radverein.

Im Jahre 1901 beschloss man den Bau eines neuen, diesmal zentraler gelegenen Feuerwehrhauses. Wilhelm Dürholt, der damalige Hauptmann, führte die dazu notwendigen Verhandlungen mit der Stadtverwaltung. Schließlich war man zu Recht der Meinung, dass die Gemeinde ihren Teil zu den Kosten beitragen sollte. Der Gemeindevorstand willigte schließlich ein und stellte in einem Schreiben vom 7. März 1901 einen Betrag von 150 Mark für ein neues Haus zur Verfügung. Das mit 20m² gut dimensionierte neue Spritzenhaus konnte auf dem Gelände des Vorstandsmitglieds Houwald Lorens direkt an der "Affurth" errichtet werden. Das alte Gebäude hatte man versteigert, um einen Teil der Kosten decken zu können.

Auch andere wichtige Ereignisse fanden im Jahre 1901 statt: Die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr zu Herbeck beschlossen dem Feuerwehrverband beizutreten. Weiterhin setzte der Vorstand erstmals regelmäßige Übungen an, die an jedem dritten Sonntag im Monat stattzufinden hatten.

Auf diese Weise vergingen viele ruhige Jahre. Die erste große Belastungsprobe für die Freiwillige Feuerwehr Herbeck kam mit dem ersten Weltkrieg. Über diese schwere Zeit lassen sich keine Aufzeichnungen finden. Bekannt ist nur, dass der Übungsdienst eingestellt worden war, da man den Großteil der Kameraden an die Front geschickt hatte. Erst im Jahr 1917, als die ersten nach Hause entlassen wurden und zusätzlich einige der jüngeren Männer ihren Weg zur Feuerwehr gefunden hatten, konnte der regelmäßige Dienst wieder aufgenommen werden. Fünf Kameraden kehrten jedoch nicht mehr aus dem Krieg zurück.

Im Jahr 1924, das Leben verlief inzwischen wieder in normalen Bahnen, trat für alle Wehren Radevormwald eine Wende ein. Waren die einzelnen Löschgruppen vorher autonom gewesen, so wurden sie in diesem Jahr unter der Führung des Kameraden Otto Rocholl vereinigt. Er bestellte den Kameraden Erich Bremicker zu seinem Schriftführer. Diese Maßnahme sollte die Ausbildung und damit die Einsatzmöglichkeiten der einzelnen Gruppen im Ernstfall verbessern. Gemeinsame Übungen vermochten die Kameradschaft zwischen den einzelnen Gruppen zu kultivieren.

So vergingen die "goldenen Zwanziger Jahre". Die vereinigten Feuerwehren Radevormwalds mussten in dieser Zeit so manches Beispiel für Ihre Einsatzfähigkeit geben. Am Ende der Zwanziger Jahre waren die notwendigen finanziellen Mittel gegeben, um die erste Motorbetriebene Feuerspritze der Feuerwehr Herbeck anzuschaffen. Am 11. Oktober 1930 konnten die Kameraden ihre neue Errungenschaft in Betrieb nehmen.

Die Machtübernahme durch die NSDAP leitete einen weiteren, diesmal wenig erfreulichen Wandel in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Herbeck ein. Die Partei war bestrebt ihren Einfluss auch auf Feuerwehren auszuweiten. So mussten sich die Einheiten der Feuerwehr von nun an als "Löschkompanien" bezeichnen. Einige Kameraden quittierten als Konsequenz dieser Maßnahme ihren Dienst.

Im Jahre 1934 wurde das dritte Spritzenhaus der Einheit Herbeck errichtet. Diesmal musste die Unterkunft wieder vollständig aus eigenen Mitteln finanziert werden. Die Kameraden verwendeten zum Bau alte Ziegelsteine der abgerissenen Bergischen Motorenfabrik TITAN, die mit vorher abgeklopftem Mörtel zusammengefügt werden mussten. Durch diese Hindernisse erschwert, sollte es vier Jahre lang dauern, bis das neue Spritzenhaus an der Herbecker Straße schließlich am 2.Juli 1938 bezogen werden konnte. In der neuen Behausung fand auch das von H. Bremicker gestiftete erste Feuerwehrauto, ein NAG, seinen Stellplatz.

Die Kameraden waren nun mächtig stolz auf Ihre erbrachten Leistungen und schauten voller Zuversicht in die Zukunft. 1939 brach jedoch der zweite Weltkrieg aus. Die anfängliche Siegeszuversicht schlug mit der Fortdauer des Krieges rasch in Enttäuschung und Verbitterung um. Schnell wurde die Mannschaftsstärke durch Einberufungen an die Fronten verringert. Dies ging schließlich so weit, dass beschlossen wurde die Lücken mit so genannter "UK-Gestellter" wieder aufzufüllen. Trotz dieser verzweifelten Maßnahme fand bereits am 9. November 1940 für lange Zeit die letzte ordentliche Versammlung der Herbecker Feuerwehr statt.

Ab 1943 setzte man die Mitglieder der Feuerwehr Herbeck bei Löscharbeiten in Remscheid, Wuppertal, Solingen, Essen Düsseldorf und Krefeld zur Unterstützung ihrer dortigen Kameraden ein. Der traurige Höhepunkt der Kriegsjahre waren aber die Einsätze am 12. und 13. April 1945 in unserer Heimatstadt. Da alle Telefonleitungen und die Stromversorgung schon lange unterbrochen worden waren, überbrachte ein Melder die Nachricht, dass Artilleriebeschuss die Fabrikgebäude der Firma Ludwig Rocholl in Brand gesteckt hatten. Trotz heftigem Beschuss zögerten die Kameraden der Feuerwehr Herbeck nicht und eilten gemeinsam mit der Löschgruppe Stadt an den Einsatzort. Gemeinsam gelang es schließlich unter großen Anstrengungen den Brandherd zu lokalisieren und einzudämmen. Alle Mühen waren aber vergeblich, als am folgenden Tag erneut starker Beschuss einsetzte, als amerikanische und deutsche Artillerie aufeinander feuerten. Dann drangen noch amerikanische Panzer in die Stadt ein, die das entstehende Chaos weiter vergrößerten. Durch die entstehenden heftigen Straßenkämpfe wurde die Löscharbeiten behindert. Die Soldaten schossen auf alles, was sich bewegte. Durch Brandmunition fing schließlich das Geschäftshaus Fischer an der Kaiserstraße Feuer. Der Brand breitete sich innerhalb kürzester Zeit über die alten Fachwerkhäuser an beiden Seiten entlang der Kaiserstrasse aus. Unter Missachtung der Gefahr für das eigene Leben gelang es den Radevormwalder Feuerwehrleuten, eine Wasserversorgung vom damaligen "Spannagels-Teich" in Richtung Stadt zu verlegen und Wasser in das gefährdete Stadtgebiet zu schaffen.

Trotz allen Anstrengungen und Gefahren konnten die Kameraden jedoch nicht verhindern, dass der Brand sich bis hin zur Oststrasse ausbreitete. Ein Viertel der Stadt wurde so zu einem Raub der Flammen. Doch konnte die völlige Zerstörung der Innenstadt durch die Hilfe einer großen Anzahl unbekannter Radevormwalder Bürger gerade noch verhindert werden. Ihnen allen gebührt unser Dank für ihre mutige Hilfsbereitschaft. In der Nacht vom 14. auf den 15. April konnten die vollkommen erschöpften Kameraden dann endlich zu ihren besorgten Familien in die Schutzkeller unter ihren Häusern zurückkehren. Über Schleichwege wagte man sich im Schutz der Dunkelheit auf den Heimweg. Dort warteten sie dann das Ende des Krieges ab.

Zwei Kameraden kehrten aus dem zweiten Weltkrieg allerdings nie mehr zu Ihren Familien zurück.

Kurz nach dem Ende des Krieges überlegten die übrig gebliebenen Kameraden bereits, wie der Feuerschutz auch in Zukunft aufrecht erhalten werden könnte. Man nutzte also kurzerhand das entstandene Chaos aus und erbeutete in einer Nacht und Nebelaktion einen LF8 aus Wehrmachtsbeständen. Um die Beute nicht in die Hände der Besatzer fallen zu lassen, wurde das Fahrzeug kurzerhand in einer nahe gelegenen Scheune versteckt.

Trotz allem aufgebrachten Enthusiasmus dauerte es noch fast zwei Jahre, bis am 9ten Februar 1947 Brandmeister Heinrich Ohrmann 14 Kameraden um sich scharte und mit einer Versammlung beim Kameraden Ruckebier den geregelten Feuerwehrdienst wieder aufnehmen konnte. Mit dem von der Wehrmacht "beschlagnahmten" LF8 war der Fortbestand gesichert und es sollte von jetzt an wieder aufwärts gehen.

Die Kameraden bauten im Jahr 1950 einen Anhänger für ihr LF8, um so die notwendigen Gerätschaften besser transportieren zu können. Weiterhin wurde auf das Fahrzeug ein Martinshorn installiert, um trotz des rasch ansteigenden Verkehrsaufkommens den Einsatzort schnell erreichen zu können.

Am 14.Mai 1953 gab der Neugegründete Spielmannszug der Feuerwehr Herbeck unter seinem Leiter Dopke sein Debüt. Am Himmelfahrtstag spielten die Kameraden in strahlendem Sonnenschein zum ersten Mal auf.

Da sich im Jahr 1960 die Feuerwehr Honsberg von selbst auflöste, wurde deren Löschbezirk vom damaligen Hauptbrandmeister Rocholl und der Stadtverwaltung dem Löschbezirk Herbeck zugeordnet. Diese unerwartete Zunahme an Arbeit und Verantwortung erforderte dringendst eine personelle Aufstockung, die durch das Anwerben neuer Kräfte im Laufe der folgenden Jahre gelöst werden konnte. Die Kameraden nannten sich von nun an "Löschzug Herbeck".

Die Zusammenlegung der vereinzelten Feuerwehren wurde dank des modernen Denkens der Führungsspitze über die Organisation des Feuerwehrwesens weiter vorangetrieben. Hierbei hat sich besonders der Kamerad Heinrich Betz verdient gemacht. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Bestimmungen über Personalstärken nicht übermäßig genau genommen, was dazu führte, dass die ländlichen Gruppen oft nur schwach besetzt waren. Heinrich Betz förderte die Bildung der heute vorhandenen so genannten "Stützpunkts- und Schwerpunkwehren". Durch zusammenschließen örtlich zueinander passender Löschgruppen sollte die Einsatzbereitschaft und Schlagkraft durch geordnete Personalstärken erhöht und eine gerechte Verteilung von Löschgeräten und Ausrüstung ermöglicht werden. Eine Folge dieser Zusammensetzung war, dass die Löschgruppe Stadt mit Herbeck zusammen zum Löschbezirk I zusammengelegt wurde. So wurden zukünftig alle größeren Einsätze zusammen gefahren, ohne allerdings die Eigenständigkeit der beiden Gruppen zu beeinträchtigen. Der Zusammenschluss hat sich in den letzten Jahren bewiesen. So war es gemeinsam möglich, auch größere Einsätze auch erfolgreich zu bewältigen. 

Im Jahre 1961 wurde das von den Herbecker Feuerwehrleuten mühsam in Eigenleistung erbaute Feuerwehrhaus praktisch über Nacht abgerissen. Die Gerätschaften mussten bei Kameraden untergestellt werden. Das Fortbestehen der Löschgruppe Herbeck befand sich in höchster Gefahr. Die einzige Alternative zur Auflösung ergab sich aus dem Verkauf des ehemaligen Grundstücks der Feuerwehr Herbeck durch die Stadtverwaltung an die Firma Seifert. Die dort entstehende neue VW-Werkstatt sagte den Kameraden einen "Unterstellplatz" für ihre Geräte zu. Ein eigenes Gerätehaus zu finanzieren , war die Stadtverwaltung aber nicht bereit. So konnte 1962 die neue Unterkunft bezogen und allen Hindernissen der Stadtverwaltung zum Trotz der regelmäßige Übungsdienst wieder aufgenommen werden.

Mit der Tatsache, dass die Kameraden der Feuerwehr Herbeck nur "Gastrecht" in ihrer neuen Bleibe hatten, konnten und wollten sie sich aber nicht abfinden. Schon bald nach Einzug unternahm der Vorstand alles, um der Stadtverwaltung doch wieder eine eigene Unterkunft zu entlocken. Bis zum Erfolg Ihrer Bemühungen sollte aber noch eine Menge Zeit ins Land gehen.

Der doch schon sehr in die Jahre gekommene LF8 der Wehrmacht wurde im Jahre 1964 ersetzt. Am 17. November 1964 nahmen die Kameraden einen neuen LF8 der Marke Mercedes entgegen.

Die Zeiten änderten sich langsam, aber unaufhaltsam. Immer neue Anforderungen wurden an die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren gestellt. Längst beschränkten sich Ihre Aktivitäten nicht länger allein auf das Löschen von Bränden. Um den gestiegenen Anforderungen auch weiterhin gewachsen zu sein beschloss der Vorstand am 22. Januar 1966 die regelmäßigen Übungen in kürzeren Abständen, nämlich alle 14 Tage, abzuhalten. Weiterhin wurde im gleichen Jahr ein FK-1000 aus eigenen Mitteln angeschafft, um alle anfallenden Arbeiten erledigen zu können.

Nach hartnäckigen und unermüdlichen Verhandlungen des Zugführers Klaus Vorberg über ein eigenes Gerätehaus willigten Stadtverwaltung und Stadtvertreter 1965 endlich ein und stellten einen Bauplatz für ein eigenes Gerätehaus in der Lessingstrasse zur Verfügung. Weiterhin wurde ein Geldbetrag von 10.000 DM für den Bau bereitgestellt. Weitere 10.000 DM spendete die Firma Rolf Seifert als "Entschädigung", da die alte Unterkunft ja schließlich der neuen VW-Werkstatt hatte weichen müssen. Mit der Summe von 20.000 DM hatten die Kameraden nun die Möglichkeit, durch Einsatz aller Kräfte wieder an ein eigenes Gerätehaus zu kommen.

Ein böses Erwachen aus den Träumen nach einer eigenen Behausung brachte die Beschränkung der Bauzeit durch den damaligen Bauamtsleiter mit sich. Obwohl die Kameraden der Feuerwehr Herbeck das neue Gerätehaus in ihrer Freizeit fertig stellen mussten, wurde die Frist dafür auf weniger als fünf Monate festgesetzt. Bei einer Überschreitung dieser Frist drohte eine Konventionalstrafe von 150 DM pro Tag. Die Baugenehmigung wurde unter diesen Bedingungen im Jahr 1967 erteilt. Die Verantwortung für den Bau übernahm der Kamerad Gert Höltken, ein selbstständiger Bauunternehmer. Am 27. Januar begannen die Ausschachtungsarbeiten gefolgt von den zügig vorangetriebenen Maurerarbeiten. Der Einsatz aller Kameraden, 22 Männer leisteten stolze 2423 Arbeitsstunden, ermöglichte so bereits im Mai 1967 die Fertigstellung der neuen Heimstatt. Auf diese Weise konnte der ursprünglich festgesetzte Termin von fünf Monaten sogar noch unterschritten werden. Von einer "Bestrafung" sprach die hoch beeindruckte Stadtverwaltung aber sowieso nicht mehr. Im Gegenteil, nachdem die Stadtvertreter sich von der ausgezeichneten Bauausführung durch die Herbecker Kameraden überzeugt hatten, stifteten sie einen Teil der Ausrüstung für den Schulungs- und Mannschaftsraum. Allen Schwarzsehern von "höherer" Stelle zum Trotz, die schon vor Baubeginn geweissagt hatten, dass die Herbecker Feuerwehr an diesem Bau zerbrechen würde, bezogen die Kameraden ihr neues Gerätehaus am 26. Mai 1967.

Da gemeinsam mit der Löschgruppe Stadt immer mehr Einsätze im Stadtgebiet gefahren werden mussten, wurde der FK-1000 im Jahr 1968 gegen einen TLF8 eingetauscht. Die Löschgruppe Herbeck hatte jetzt erstmals die Möglichkeit, 800 Liter Wasser direkt auf einem Fahrzeug zu transportieren und so umgehend nach Eintreffen an der Einsatzstelle Löschmaßnahmen durchzuführen. Noch im gleichen Jahr schaffte der Vorstand Geräte zur technischen Hilfeleistung an. Zum Transport der Gerätschaften wurde ein Anhänger für den LF8 ausgerüstet. Steigende Einsatzzahlen und höhere Anforderungen führten dazu, dass bereits 1972 der TLF8 durch ein TLF16 ersetzt wurde, der immerhin 1600 Liter Wasser mit sich führen konnte.

Bei einem Brandeinsatz ist es für eine wirksame Eindämmung der Schäden von besonderer Bedeutung, den Brandort so schnell wie möglich zu erreichen. Aus diesem Grund kamen die meisten Kameraden im Einsatzfall mit dem eigenen Auto zum Gerätehaus. Bei mehreren dieser Gelegenheiten wurde nicht nur der normale Verkehr in der Lessingstrasse durch die hastig abgestellten Autos behindert, auch den Einsatzfahrzeugen der Feuerwehr wurde das Durchkommen stak erschwert. Um in Zukunft solche Vorfälle zu vermeiden, planierten und pflasterten die Kameraden einen Teil der Rasenfläche vor der Turnhalle und dem Gerätehaus. Ab dem 14. Juni 1972 standen so Parkplätze in ausreichender Anzahl zur Verfügung.

Der Löschzug I Herbeck, nun seit einigen Jahren nicht mehr als Löschgruppe, sondern als Löschzug geführt, musste sich in den 70er Jahren einigen Veränderungen unterwerfen. Seit der Gebietsreform 1975 gehört die Stadt Radevormwald dem Oberbergischen Kreis an. Die 45. Feuerwehrbereitschaft, der unser Kamerad Horst Krauskopf vorstand, wurde aufgelöst.

Das Feuerwehrhaus wurde nach nur 8 Jahren bereits wieder zu klein. Der Fahrzeug- und Gerätepark machte eine Erweiterung notwendig, so dass die Kameraden es um einen Anbau erweiterten. Auch diese Baumaßnahme musste in Eigenregie durchgeführt werden. Fortan standen in Herbeck 4 Fahrzeuge: Ein VW-Variant als Einsatzleitwagen, ein LF8 (Löschgruppenfahrzeug), ein TLF16 (Tanklöschfahrzeug) und ein bundeseigenes Fahrzeug, ein Unimog HRW (Hilfsrüstwagen) hatten die Herbecker jetzt verfügbar.

Neben dem "traditionellen" Feuerwehrdienst leistete unsere Einheit auch eine Reihe von anderen Hilfeleistungen. So unterstützten die Herbecker Kameraden bei lang anhaltender Trockenheit die Radevormwalder Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen und bewässerten Grünpflanzen und Bäume. Im Jahr 1977 wurden zwei Fußgängerbrücken an einem Wanderweg entlang der Wiebach instand gesetzt. Weiterhin begleiten die Kameraden seit vielen Jahren den Martinszug der Bergerhofer Grundschule.

Im Jahr 1977 wurde der VW-Variant durch einen VW-Bus ersetzt. Für das 1964 angeschaffte LF8 schaffte man ein neues LF8 an, das bis ins Jahr 2003 hinein seinen Dienst verrichtet hat. Am 13.11.1977 tauschten Klaus Vorberg und Horst Krauskopf ihre Ämter. Neuer Zugführer war fortan Klaus Vorberg.

Zahlreiche Brände auf der Müllkippe in Oberdahlhausen verschafften der freiwilligen Feuerwehr Herbeck den Beinamen "Kippenwehr". Dort brannte es teilweise mehrmals in der Woche. Die Löscharbeiten gestalteten sich auf dem Kippengelände immer mühsam und waren sehr Zeitintensiv. So verbrachten die Kameraden so manches eigentlich freie Wochenende im Kampf gegen das Feuer. Dabei kam sehr schnell der Verdacht an Brandstiftung auf. Schließlich konnten die häufigen Einsätze gerade am Wochenende nicht an brennenden Kippen liegen. Die Müllabfuhr lieferte nur von Montags bis Mittwochs Abfälle an. Zusätzliches Ärgernis war das Abladen von Industrieabfällen, die besonders leicht entzündlich waren und die Löscharbeiten noch erschwerten. Niemals in ihrer Geschichte hat die freiwillige Feuerwehr Herbeck so viele Einsätze gefahren wie in den Jahren des Bestehens der Herbecker Müllkippe. Im Jahre 1979 machte sich endlich die Schließung der verhassten Abladestelle bemerkbar. Die Kameraden konnten von da an ihre Wochenenden ungestört genießen.

Am 31.9.1979 tauschten Klaus Vorberg und Horst Krauskopf erneut ihre Ämter., so dass der Löschzug Herbeck von Horst Krauskopf geführt wurde. In den siebziger Jahren hatte der Löschzug Herbeck mit einem großen Problem zu kämpfen: die Überalterung der Mitglieder. Gut die Hälfte aller Feuerwehrleute waren über 40 Jahre alt. Man machte sich ernsthaft Sorgen über den Nachwuchs. Es fanden sich kaum noch junge Männer aus der Herbecker Bevölkerung, die Dienst in der Feuerwehr tun wollten. Erst Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre löste sich dieses Problem. Man konnte nun sehr viel junge Leute innerhalb weniger Jahre für die Feuerwehr begeistern, und damit den Fortbestand der Herbecker Feuerwehr sichern Dazu musste auch der Übungsdienst auf die jungen Männer ausgelegt werden. Auf diese Weise konnte 1982 die stolze Anzahl von 1080 Übungsstunden geleistet werden. Die Zunahme der Personalstärke war so groß, dass man im Jahr 1983 erstmals in der Geschichte der Herbecker Feuerwehr über den Beitritt neuer Kameraden abstimmen musste, um die maximal erlaubte Personenstärke nicht zu überschreiten. Durch diese Maßnahme kam es allerdings zu einer sehr ungewöhnliche Altersstruktur: Während die erste Hälfte der Kameraden im Alter von 45 und 60 Jahre waren, lag das Alter der anderen Hälfte zwischen 20 und 30 Jahren. Die dazwischen liegende Altersgruppe fehlte vollständig. Dieses Phänomen sollte Mitte der 90er allerdings wieder ausgeglichen sein.

Als schweren Schlag in der Geschichte der Herbecker Feuerwehr ist die Schließung der Vereinsgaststätte Ruckebier zu erwähnen. Diese schloss Ende September 1982, nachdem die Kameraden 37 Jahre lang eingekehrt waren. Angeführt vom Spielmannszug trugen die Kameraden den Wimpel der Herbecker Feuerwehr unter den staunenden Blicken der Herbecker Anwohner in einer Prozession feierlich mit Frack und Zylinder und in Uniform von der Elberfelderstraße bis zum Feuerwehrhaus. Das "Fähnchen auf Wanderschaft" wurde zeitweise von der Polizei begleitet, da die B229 auf einem Teilstück gesperrt werden musste.

Am 23.1.1981 wurde Eckhard Knorz, lange Zeit Schriftführer der Herbecker Feuerwehr und Mitbegründer der Jugendfeuerwehr, zum stellvertretenden Wehrführer ernannt. Als am 27.12.1984 der Stadtbrandmeister Gerd Pfeiffer aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat, wurde Knorz kommissarisch zum Wehrführer ernannt.

Im Jahre 1985 legte man den Löschzug Herbeck zum zweiten Mal in seiner Geschichte mit dem Löschzug Stadt zusammen. Im Rahmen einer Umstrukturierung bildeten nun die Züge Stadt und Herbeck den Löschzug I der Feuerwehr Radevormwald. An der Eigenständigkeit der beiden Einheiten sollte dies aber nichts ändern. Zum ersten Zugführer des Löschzugs I ernannten die Kameraden Frank Humpert. Im Jahre 1986 wurden die Kameraden Horst Krauskopf und Klaus Vorberg mit dem Feuerwehrehrenabzeichen in Gold ausgezeichnet und damit für 40 Jahre bzw. 35 Jahre Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr geehrt.

Im April 1987 erweiterten die Kameraden das Feuerwehrhaus in der Lessingstrasse abermals. Im Anbau brachten sie die sanitären Anlagen unter und im Bereich des Aufenthaltsraumes entstand eine neue Küche.

Am 13.1.1989 stellte Horst Krauskopf sein Amt zur Verfügung, er wurde stellvertretender Zugführer des LZ I. So bekam die Herbecker Feuerwehr einen neuen Einheitsführer aus den Reihen des Nachwuchses. Uwe Schröder führte jetzt die Kameraden an. Dietmar Hasenburg war sein Stellvertreter.

Ein relativ hohes Aufkommen an Einsätzen der technischen Hilfeleistung machte es notwendig, dass im Jahr 1989 eine Gruppe ins Leben gerufen wurde, die sich auf diese Art Einsätze spezialisierte. Sie bestand Anfangs aus 4 Mann. So konnte seitens der Leitstelle eine Selektion vorgenommen werden und zu kleineren Einsätzen brauchten nicht alle Kameraden gerufen zu werden. Die Zahl der Einsätze auf dem Sektor der gefährlichen Stoffe und Güter hatte in den 80er Jahren kontinuierlich zugenommen. Für die Feuerwehr ergibt sich daraus zwangsläufig in Bezug auf den Umweltschutz für den einzelnen Feuerwehrmann ein umfangreicheres Lernvolumen. Auch hier werden die Anforderungen immer anspruchsvoller.

Aus beruflichen Gründen stellte Uwe Schröder zum 28.2.1993 sein Amt als Einheitsführer zur Verfügung. Neuer Einheitsführer in Herbeck wurde Dietmar Hasenburg, der gleichzeitig auch stellvertretender Zugführer des Löschzug I war.

Am 24.5.1992 wurde das 25jährige Bestehen des Feuerwehrhauses im großen Rahmen gefeiert. Bürgermeister Friedel Müller und Stadtdirektor Hans Gesenberg gratulierten auf dem Festempfang und konnten gleichzeitig ein neues Fahrzeug übergeben. Es wurde ein neuer GW-G (Gerätewagen Gefahrgut) in Herbeck stationiert.

Auf Initiative von Klaus Vorberg wurde im Juli 1993 eine neue Fahne angeschafft. In gebührendem Rahmen holten die Herbecker Kameraden die neue Fahne bei Klaus Vorberg zu Hause ab. Für die musikalische Begleitung der feierlichen Übergabe sorgten der Musikzug sowie der Spielmannszug.

Auf der Jahreshauptversammlung im Jahr 1994 wurden zwei Kameraden für Ihre Dienste und Ihren persönlichen Einsatz um die Feuerwehr besonders geehrt. Klaus Vorberg, 46 Jahre Mitglied der Feuerwehr.Er organisierte die erste Herrentour und führte den Jahresabschluß im Feuerwehrhaus ein. Er koordinierte maßgeblich den Bau des Feuerwehrhauses. Horst Krauskopf, 44 Jahre in der Feuerwehr aktiv bekam das Feuerwehrverdienstkreuz in Gold, unter anderem für seine Verdienste im Landesfeuerwehrverband für musiktreibende Züge.

Am 13.12.1997 wählten die Herbecker Kameraden Markus Finke zum neuen Einheitsführer. Sein Stellvertreter wurde Uwe Schmid. Dietmar Hasenburg trat seinen Dienst als stellvertretender Wehrführer an.


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